BUESSING
Die NAG

NAG Schnell-Lastwagen
Die Neue, später Nationale Automobilgesellschaft ist eine Gründung Emil Rathenaus, des Generaldirektors der AEG. 1912 war sie auf einem von der AEG gemieteten Gelände in Berlin-Oberschöneweide als "Neue Automobil-Gesellschaft" gegründet worden. Vor dem Krieg hatte sie den großen Vorteil, kaum auf Zulieferer angewiesen zu sein - selbst die Gummireifen wurden selbst gefertigt. Die NAG stellt auch PKWs her, das Hauptgeschäftsfeld ist aber der LKW- und Omnibusbau. Während des 1. Weltkriegs konzentriert man sich dann vor allem auf Flugzeugmotoren - das hätte auch ein schönes Geschäft werden können, wenn nicht der Versailler Vertrag den Bau von Flugzeugen im Deutschen Reich verboten hätte ...

1927 übernimmt die NAG die Automobil-Produktion der Siemens-Schuckert-Werke, die die Marke Protos herstellen, im gleichen Jahr auch die Presto-Werke in Chemnitz und 1928 die Dux-Werke. Die Wirtschaftskrisen der 20er Jahre und eine verfehlte Modellpolitik bringen die Firma dann in ernsthafte Schwierigkeiten, und so ist die Mutter AEG froh, als sich in Braunschweig ein kompetenter und vor allem finanzstarker Partner findet.

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NAG Artikel

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"In Erweiterung der bisherigen Mitteilungen wird den BNN (Braunschweiger Neueste Nachrichten) von den Automobilwerken H. Büssing, Braunschweig, folgendes geschrieben:

Nachdem unter Führung der AEG und Mitwirkung des Bankenkonsortiums die Sanierung der NAG durchgeführt ist, hat diese mit der im Nutzkraftwagenbau führenden Familien-A.G. H. Büssing in Braunschweig ein Zusammengehen zwecks Rationalisierung beschlossen. Es wird eine neue Gesellschaft mit 4.000.000 Mark Kapital gegründet unter der Firma Büssing-NAG Vereinigte Nutzkraftwagen A.-G. mit dem Sitz in Braunschweig, an der Büssing und NAG hälftig beteiligt sind. Sie fabriziert und vertreibt die Nutzkraftwagenprodukte der beiden Gründerfirmen. An Fabrikationsstätten stehen ihr die Werke in Braunschweig, Leipzig, und im Bedarfsfalle auch Chemnitz zur Verfügung. Sie beginnt ihre Tätigkeit am 1. Januar 1931. Das Arbeitsprogramm der neuen Gesellschaft umfaßt den gesamten Lastkraftwagen- und Omnibusbau von den leichten bis zu den schwersten typen. In den Vorstand werden entsendet von Büssing: die Herren Dipl.-Ing Werners und Egger; von der NAG: Herr Heczewer, der auch gleichzeitig im Vorstand der NAG verbleibt. Den Vorsitz und die technische Leitung übernimmt Herr Werners.

Durch diesen Zusammenschluß werden die jahrzentelangen Erfahrungen der beiden Firmen auf dem Nutzkraftwagengebiete vereinigt. Diese Gründung stellt somit durch die Zusammenfassung des sich ergänzenden Fabrikationsprogramms der beiden Gründerfirmen einen bedeutsamen Schritt auf dem Wege der Rationalisierung der deutschen Automobilindustrie dar.

Die beiden Gründergesellschaften bleiben unter Verzicht auf dieses Arbeitsprogramm bestehen, insbesondere wird die AEG den Personenwagenbau fortführen.

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Dem Vernehmen nach wird die Rationalisierung ihren besonderen Ausdruck darin finden, daß Büssing auf die in Verbereitung begriffene Aufnahme von Leicht-Lastkraftwagen, die NAG dagegen auf den schon seit langen Jahren betriebenen Schwerlastkraftwagen-Bau in Oberschöneweide verzichtet. Natürlich ist die Weiterfabrikation der NAG-Ersatzteile für Schwerlastwagen gesichert. Mitbestimmend für den Abschluß wird auch die Unterstützung der neuen Gesellschaft durch die AEG gewesen sein, die über eine besonders sorgfältig ausgebaute In- und Auslands-Organisation verfügt und durch die in ihrem umfangreichen Einkauf liegenden Möglichkeiten erheblich zur Absatzsteigerung beitragen kann. Im Interesse der Stadt Braunschweig ist es zu begrüßen, daß, nachdem kürzlich erst die Miag den Zentralsitz ihrer Gesellschaft von Frankfurt nach hier verlegt hat, nunmehr auch die neue Gesellschaft ihren Sitz in Braunschweig haben wird."
Der Begriff "Rationalisierung" ist hier natürlich nicht ganz richtig. Es handelt sich um eine Konzentration - eine Erscheinung, die gegen Ende der 20er und Anfang der 30er in allen Bereichen des Automobilbaus üblich war. Die Amerikaner drängen mit technisch nicht besonders anspruchsvollen, aber soliden und vor allem billigen Autos aus der Massenproduktion auf den europäischen Markt, und da bleiben naturgemäß die meisten der kleinen und kleinsten deutschen Automobilfabriken auf der Strecke. "Rationalisierung" stimmt allerdings insofern, als beide Firmen sich die Entwicklung eigener Leicht- bzw. Schwerlastwagen sparen.
 
 


Lion
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